DFG-Projekt INAMOSYS
Integrated Accessibility Models of User Interfaces for Web and Automation Systems
Übergreifende Barrierefreiheits- und Zugänglichkeitskonzepte gewinnen in dem Maße an Bedeutung, wie die Grenzen zwischen den Bedienoberflächen verschiedener technischer Systeme verschmelzen. In diesem Forschungsprojekt werden die Anforderungen von Webanwendungen und den Bedienoberflächen automatischer Systeme gemeinsam untersucht. Ziel des Forschungsprojekts ist erstens, zu zeigen, dass sich barrierefreie bzw. zugängliche Benutzungsschnittstellen für Computer, Geräte und Automaten vereinheitlichen lassen und zweitens, dass ihre Entwicklung durch einen benutzer- und modellzentrierten Entwicklungsansatz vereinfacht werden kann. Dabei wird Barrierefreiheit nicht allein als individuelle Anforderung von Benutzern mit Behinderungen gesehen, sondern kann sich ebenso als Konsequenz ungewöhnlicher Nutzungssituationen ergeben, die auf Grund der zunehmenden Verbreitung automatisierter Systeme bzw. von Webanwendungen an Häufigkeit zunehmen. Neben den individuellen Anforderungen eines Menschen sind das umweltbedingte Anforderungen (z. B. Lärm, helles Licht) sowie technologische Anforderungen, die sich durch die Bedientechnologie des Nutzers ergeben bspw. kleine Bildschirme bei Mobilgeräten. Zwischen den Anforderungen individueller, technologischer und umweltbedingter Art bestehen keine prinzipiellen Unterschiede, denn es ist letztlich nicht entscheidend, ob visuell dargestellte Informationen nicht wahrgenommen werden können, weil der Bildschirm defekt ist, der Benutzer blind ist oder gerade durch die Sonne geblendet wird. Das englische Wort Accessibility als übliche Übersetzung des Begriffs Barrierefreiheit kennt diese Differenz konsequenterweise auch nicht. Dass Barrierefreiheit einen Beitrag zu einer guten Benutzbarkeit (Usability) für alle Benutzer leistet, unterstreicht diese prinzipielle Vergleichbarkeit ebenso wie jüngste Ansätze zur Anwendung der Empfehlungen für barrierefreie Webseiten auf andere Bereiche wie die Darstellung auf Mobilgeräten [YC08] oder die Benutzbarkeit für ältere Benutzer [Web08b].
Allgemeine Ansätze für die Gestaltung von barrierefreien Bedienoberflächen automatischer Systeme fehlen bisher. Auch die Forschung zum benutzerzentrierten Design befasst sich damit bisher in geringem Umfang. Die Forschung zur Barrierefreiheit von Webtechnologien konzentriert sich derzeit vor allem auf die Entwicklung neuer assistiver Technologien, Geräte mit neuen Funktionalitäten für Menschen mit Behinderungen. Im Bereich der Webentwicklung erfordern assistive Technologien oft eine umfangreiche Überarbeitung oder sogar komplette Neuerstellung der multimedialen Inhalte.

Abbildung 1: Forschungsschwerpunkte des Forschungsprojekts
Das hier vorgestellte Forschungsprojekt soll die Forschung von der Seite der Softwareentwicklung für Bedienoberflächen von Webanwendungen und automatisierten Systemen her ergänzen. Die Wahl dieser beiden Anwendungsfelder ist u. a. auch durch die in den beteiligten Arbeitsgruppen vorhandene Qualifikation begründet. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Projektergebnisse auf weitere Anwendungsfelder übertragen lassen bspw. die Bedienoberflächen von desktopbasierten Anwendungen. Im Projekt werden die Charakteristika barrierefreier Benutzungsschnittstellen untersucht und Methoden entwickelt, assistive Technologien mit geeigneten Daten zu versorgen, ohne dass für jede neue Technologie die Inhalte wieder angepasst werden müssen. Dies geschieht in Bezug auf vorhandene Empfehlungen und Richtlinien zur Erstellung barrierefreier Inhalte und Benutzungsschnittstellen. Neben den Anforderungen barrierefreier Mensch-Maschine Schnittstellen wird auch der Designprozess selbst untersucht. Die Entwicklung zugänglicher Webangebote hat in der letzten Dekade gezeigt, dass hier Schwierigkeiten auftreten, die in der üblichen Vorgehensweisen bei der Applikationsentwicklung begründet liegen. Da das Problem auch aus dem Bereich des Usability Engineering bekannt ist, werden in diesem Projekt die dort bereits als Antwort entwickelten Methoden des benutzerzentrierten Designs auf den Bereich des Designs barrierefreier Bedienoberflächen übertragen.
Projektpartner
- Prof. Dr. rer. nat. Sabina Jeschke
ZLW/IMA, RWTH Aachen - Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Peter Göhner
Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik (
http://www.ias.uni-stuttgart.de)
Fakultät Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik, Universität Stuttgart.
Projektmitarbeiter
- Dipl.-Soz. Helmut Vieritz
ZLW/IMA, RWTH Aachen - Farzan Yazdi, M.Sc.
Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik (
http://www.ias.uni-stuttgart.de)
Fakultät Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik, Universität Stuttgart.
Ansprechpartner am IAS
Farzan Yazdi, M.Sc. Telefon: +49 711 685 67291 | ![]() |

